Die Reinzeichnung von Druckdaten in der Druckvorstufe ist der wichtigste Schritt bevor die Daten zur Druckerei gegeben werden. Der Aufwand für eine Reinzeichnung ist immer abhängig vom Druckprodukt, jedoch muss jede Reinzeichnung absolut präzise sein.

Ein Beispiel…

Als Grußkarte oder Weihnachtskarte soll ein zweiseitiger DIN A5 Flyer – beidseitig im Offsetdruck im Standard vierfarbig (Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz) gedruckt werden. Nach der Druckfreigabe gehen folgende Arbeiten los.

Der Flyer enthält Grafiken, die über das Endformat hinaus ragen – soweit keine Herausforderung. Allerdings muss aufgrund der überragenden Grafikelemente bedacht werden, dass die Beschnittzugabe ausreichend groß gewählt wird (meistens 3mm) – sonst entstehen Blitzer, die den Bedruckstoff durchblitzen lassen. Das ist unschön und absolut vermeidbar. Beide Seiten des Flyers müssen dem Druckverfahren entsprechend farblich eingestellt werden.

Wird nun ein Foto hinzugefügt (Änderungswunsch vom Kunden), muss dieses vom Maß, Auflösung und Farbraum den technischen Vorgaben entsprechen – und dabei sind Retuschearbeiten und Bildkorrekturen noch nicht dabei. Also muss das Foto in jedem Fall technisch geprüft, ggf. optimiert und dann in das Layout eingebunden werden. Der Aufwand ist schon etwas höher, aber auch keine Raketenwissenschaft.

Spontane Idee des Kunden: Den Druck dieses Flyers mit einer Spotlackierung planen (einzelne festgelegte Bereiche sollen später auf dem Papier glänzen) – sieht viel edler aus. Also werden hier die Anforderungen wieder etwas höher geschraubt. In der Datei müssen die Flächen definiert/gezeichnet werden, die später den glänzenden Lack enthalten. Weil der Lack nicht im Standarddruck mitläuft, muss eine 5. Farbe in der Datei angelegt werden. Dabei sind auch einige weitere technische Fragen zu lösen, beispielsweise: Ist Lack als Volltonfarbe definiert? Sind Lackflächen auch Vollflächen? Stimmen die Einstellungen für das Überdrucken anderer (Farb)Elemente? etc. Stimmt alles, dann kann die Druckdatei geschrieben werden und die Reinzeichnung ist somit beendet.

Doch halt, der Vorgesetzte des Ansprechpartners auf Kundenseite wünscht, dass der A5 Flyer eine Stanzform erhält – der Flyer soll nun die Form eines Tannenbaums erhalten. Das heißt, für die Datei muss nun eine Konturlinie in Form eines Tannenbaums gezeichnet werden. Auch hier sind die spezifischen Vorgaben der Druckerei bzw. der Druckweiterverarbeitung zu beachten (wie muss die Linie angelegt sein – Farbe? Stärke? Name? Eigene Ebene? etc. Passt die Stanzzeichnung in das DIN A5 Format? Stimmt alles, geht die Datei erneut zur Druckerei. Am besten sendet man zu den Druckdaten entweder ein 3D Modell der Karte mit oder man bastelt einen Dummy und fotografiert diesen – wahlweise den Dummy per Post zur Druckerei senden oder gleich alles vor Ort in der Druckerei abwickeln.

Wie oben beschrieben, kann ein vermeintlich zügiger Arbeitschritt schnell einen ganzen Arbeitstag in Anspruch nehmen. Zugegeben, in der Regel steht vor der Druckfreigabe bereits fest, wie das Druckprodukt letztlich auszusehen hat. Diese (oben beschriebenen) nachträglichen gravierenden Änderungswünsche sind eher selten – kommen aber dennoch vor! Das Problem ist oft der immense Zeitdruck, weil sich (wie im Beispiel oben) Weihnachten (oder Messe, Präsentation) eben nicht verschieben lässt und in den Druckereien durchaus Hochbetrieb herrscht. Von daher ist ein absolut präzises Arbeiten hier in der Druckvorstufe Pflicht. Denn Fehler, die während der Reinzeichnung passiert sind, sind während des Andrucks meistens nicht mehr korrigierbar und kosten sehr viel Zeit! Viele Fehler können latent vorhanden sein, man bemerkt sie erst unter realen Druckbedingungen und wenn es ganz übel läuft, dann leider erst im Andruck oder beim Druck in der Druckerei. Natürlich muss ein Preflight nach der Reinzeichnung gemacht werden und dabei kann einiges, was nicht korrekt angelegt wurde, zu Tage gefördert werden und dann entsprechend korrigiert werden. Unter Zeitdruck kann jedoch das ein oder andere unentdeckt bleiben.

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