Eine sehr gute Idee ist am Anfang eines Printprojektes die zuvor gewählte Druckerei früh mit ins Boot zu holen. Somit hat der Drucker die Möglichkeit von Anfang an auf mögliche Schwierigkeiten hinzuweisen, die einhergehen können mit Materialwahl, Sonderfarben, Endformat oder einer utopischen Vorstellung der Auftraggeber in Bezug zum Produktionszeitraum.

Bei der Kooperation mit einer neuen bzw. einer unbekannten Druckerei empfehle ich sich lange vor dem Andrucktermin ähnliche Druckaufträge bzw. Referenzen zeigen zu lassen – am besten gleich mit dem Kostenvoranschlag bzw. Angebot zum Projekt. Ist das Projekt soweit, dass die finale Korrekturschleife mit der Reinzeichnung der Druckvorlage beendet wurde, steht als nächstes der Andrucktermin in der Druckerei an. Hier wird der Andruck mit einem verbindlichen Farbproof, welches zuvor erstellt werden muss, verglichen und letztlich wird die Druckabnahme – wenn alles korrekt steht – mittels Unterschrift bestätigt.

Wie funktioniert eine Druckabnahme nun? Dies sind meine Erfahrungen, die bei umfangreichen Druckaufträgen unverzichtbar sind:

  • Ausreichend Zeit mitbringen – eine Stunde ist ausreichend, meist geht’s auch kürzer, wenn man die Druckerei bzw. den Drucker persönlich kennt. Unter Zeitdruck würde ich keine Abnahme machen – es wird meistens etwas übersehen!
  • Druckabnahme rechtzeitig durchführen – bei einem Worst Case kann es sein, dass neue Daten zur Druckerei gesendet werden müssen und die ganze Vorstufe neu durchlaufen werden muss. Diesen möglichen Zeitverlust immer mit einplanen.
  • Druckabnahme immer zusammen mit dem Drucker durchführen, der das Projekt auch bis zum Ende druckt.
  • Druckbogen mit Proof vergleichen, immer unter Normlicht – dabei stets berücksichtigen, dass das Proof auf anderem Material und in einem andern Druckverfahren produziert wurde.
  • Fadenzähler nicht vergessen, um alle Feinheiten gut zu erkennen – Raster, Passungenauigkeit, Druckfehler (Blasen oder Verschmutzungen).
  • Stift (permanent, wasserfest) nicht vergessen für Unterschriften und Ihre Anmerkungen, diese müssen auf dem Druckpapier haltbar sein – jeweils Exemplar für Druckerei und für einen selbst / Agentur / Kunde.
  • Farbfächer nicht vergessen für denn Fall, dass mit Sonderfarben (HKS, Pantone) gedruckt wird – hier berücksichtigen, dass der Fächer immer richtig gelagert wurde (Fehler: Ausbleichen durch Lichteinstrahlung, hohes Alter, richtiger Hersteller).
  • Bei Prüfung auch die Weiterverarbeitung bedenken – ist genügend Platz im Bund, wurde auf jeder Seite die Beschnittzugabe berücksichtigt, wird an den Flächen mit Sonderfarbe gedruckt, wo es auch geplant ist (Volltonfarbe richtig benannt), sind Falzmarken vorhanden (an der richtigen Position).

Fazit:

Möglichst frühe Einbindung der Druckerei in das Projekt mit verbindlichen Farbvorgaben arbeiten, die auch als Proof ausgegeben werden. Gleiches gilt auch für Grafiken mit feinen Linien im Farbraster oder besonderen Bilddaten (Renderings oder Fotomontagen). Die Druckabnahme nur durch eine/n fachlich geschulte/n Mitarbeiter/in durchführen lassen, mit genügend Zeit im Rücken (ca. eine Stunde). Bei der Prüfung auch den Mut aufbringen Fehler offen anzusprechen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Drucker immer noch etwas optimieren kann und letztlich auch ein gutes Ergebnis abliefern möchte. Notfalls neue Daten liefern, wenn eine Besserung des Fehlers nicht im Fortdruck umgesetzt werden kann. Der Drucker hilft immer gerne weiter und hat auch selbst gute Lösungsvorschläge, so meine Erfahrung!